Helene – Wöhr – Walk(final)
19. Juni 1915 bis 30. April 1943
Helene Wöhr
Helene Wöhr (1915–1942) war eine junge Frau aus Stuttgart-Feuerbach. Sie wurde unehelich geboren – ihre Mutter war evangelisch, ihr leiblicher Vater jüdisch. 1919 heiratete ihre Mutter Conrad Wöhr, der Helene adoptierte und ihr seinen Namen gab. Die Familie trat in die Neuapostolische Kirche ein und Helene wurde konfirmiert. Lange Zeit wusste sie nichts von ihren jüdischen Wurzeln. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, änderte sich ihr Leben: Nach den Rassengesetzen galt Helene aufgrund ihrer jüdischen Abstammung als sogenannter „Mischling ersten Grades".
Nach ihrem Schulabschluss verfolgte sie entschlossen ihr Ziel, Kinderpflegerin zu werden. Doch immer wieder verlor sie ihre Stellen – allein wegen der Rassengesetze. 1941 wurde Helene verhaftet und deportiert. Ihr Lebensweg steht exemplarisch für das Schicksal vieler sogenannter „Halbjuden" unter dem NS-Regime, die systematisch entrechtet, isoliert und verfolgt wurden.
Route
*Walks sind nur über das Handy zugänglich
Bismarckschule
1922 begann die siebenjährige Helene ihre Schulzeit an der Bismarckschule, einer evangelischen Volksschule in Feuerbach. 1930 schloss sie die Schule ab und wurde im selben Jahr konfirmiert. Ihr nächstes Ziel war klar: Sie wollte Kinderpflegerin werden.
Familie Heydt
Von 1938 bis 1940 arbeitete Helene als Kindermädchen bei der Familie des Feuerbacher Drogisten Kurt Heydt. Zuvor hatte sie bereits mehrere Stellen wegen der NS-Rassengesetze verloren, darunter ihre Grundausbildung im Kindergarten und eine Stelle als Arzthelferin. Auch hier musste sie 1940 auf Druck der Behörden gehen.
Wohnhaus und Stolperstein
Den Großteil ihrer Kindheit verbrachte Helene mit ihrer Familie in diesem Haus. 1929 zog die Familie in die heutige Kruppstraße, da Helenes Adoptivvater dort in der Nähe arbeitete. Der Stolperstein für Helene wurde dennoch hier in der Oswald-Hesse-Straße verlegt.
Sammelstelle Killesberg
Der Höhenpark Killesberg, ursprünglich für die Reichsgartenschau 1939 hergerichtet, wurde im Herbst 1941 als Sammellager für jüdische Menschen aus Stuttgart genutzt. Helene wurde am Tag ihrer Verhaftung dorthin gebracht. Ihr Wunsch, sich von den Eltern zu verabschieden, wurde ihr verwehrt. Stattdessen durfte sie allein zur Wohnung einer nahe gelegenen Freundin gehen und bat diese, den Abschiedsgruß an ihre Mutter und ihren Adoptivvater weiterzugeben.
Nordbahnhof
Am 1. Dezember 1941 wurde Helene vom Killesberg zum Nordbahnhof gebracht. Von hier aus deportierten die Nationalsozialisten im Rahmen der ersten Stuttgarter Deportation 1.000 jüdische Menschen nach Riga. Helene war eine von ihnen. Im Lager Riga wurden die Deportierten unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Helene starb dort vermutlich im Sommer 1942 – sie war 26 Jahre alt.